Archäologie in Hanau

Grabungen von 1946 bis heute

Zahlreiche archäologische Untersuchungen wurden seit der Vereinsgründung im Jahre 1844 durchgeführt. Einen Höhepunkt der Forschungen bildeten die Grabungskampagnen von Professor Dr. Georg Wolff, Vorstandsmitglied und Vater der Limesgeschichtsforschung, Ende des 19. Jahrhunderts. Die Grabungen von 1946 bis heute:

2014

Hanauer Innenstadt

2012

Klosterruine St. Wolfgang

2004

Hanauer Innenstadt

Durch einen Erweiterungsbau hinter dem Deutschen Goldschmiedehaus wären wichtige Befunde zur frühen Stadtgeschichte verloren gegangen. Die AG Archäologische Denkmalpflege konnte während einer mehrwöchigen Grabung zahlreiche Befunde einer zivilen Bebauung des Areals zwischen Altstädter Rathaus und Marienkirche aus dem Hoch- und Spätmittelalter dokumentieren, u.a. einen Brunnen, dessen Holzverschalung in das 14. Jahrhundert datiert.

2001/02

Hanau-Mittelbuchen

Bei den Erschließungsarbeiten für ein Neubaugebiet Am Ortsausgang nach Bruchköbel wurden Reste verschiedener Perioden menschlicher Besiedlung entdeckt, vor allem aber zwei römische Kleinkastelle, die vermutlich zu einer frühen Limesstrecke von Heldenbergen nach Hanau-Salisberg gehören. Außerdem konnten mittelalterliche Befunde freigelegt werden, die wohl[nbsp]zur Wüstung "Lützelbuchen" gehören und Spuren aus der Urnenfelderzeit. Die Grabungen wurden 2001 von Dr. Marcus Reuter bzw. 2002 von Dr. Markus Vosteen (beide Freiburg i. Br.) geleitet.

1998

Hanau-Kesselstadt

In der Alexanderstraße wurden römische Siedlungsreste und vor allem die Trasse der römischen Fernstraße vom Salisberg nach Frankfurt ausgegraben.

1994

Hanau-Kesselstadt

Bei Bauarbeiten wurden in einem Fachwerkhaus (Mittelstraße 4) die lange vergeblich gesuchte Südfront des großen römischen Steinkastells und wichtige Befunde zur Geschichte des Hauses und seiner Vorgängerbauten entdeckt.

Innerhalb des großen römischen Steinkastells wurden im Remisenweg anlässlich bevorstehender Neubaumaßnahmen Prospektionsgrabungen erforderlich, welche erneut die fehlende Innenbebauung des Kastells verdeutlichten. Dafür fanden sich interessante Spuren zur spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Ortsgeschichte Kesselstadts.

1994

Hanau-Mittelbuchen

Mit dem Beginn von Baumaßnahmen wurden an der Oberdorfelder Straße spektakuläre Funde aus der frühen Völkerwanderungszeit des 3. bis 6. Jahrhundert n. Chr. ausgegraben.

1992-97

Hanauer-Kesselstadt

Nachdem uns bekannt wurde, dass die Stadt Hanau das etwa 6000 m² große Grundstück an der Einmündung des Köppelwegs in den Salisweg verkaufen und zur Bebauung freigeben wollte, forderten wir nachdrücklich eine vorherige Ausgrabung des Geländes, die uns schließlich durch Magistrats- und Stadtverordnetenbeschluss in mehreren "Etappen" genehmigt und zusätzlich auch teilweise finanziert wurde. Die bisher umfangreichste Grabung des Hanauer Geschichtsvereins dauerte über fünf Jahre und brachte für die römische Geschichte Kesselstadts und der Region erstaunliche Ergebnisse, u. a. konnte der "Kesselstädter Münzschatz" und das "römische Schreibtäfelchen" geborgen werden. Darüber hinaus wurden Siedlungsfunde der späten Jungsteinzeit, Bronzezeit und keltischen Besiedlung gemacht.

1991-93

Hanau-Mittelbuchen

Vor der Aufnahme von Bauarbeiten zum Neubaugebiet "Am Simmichborn" führten Feldbegehungen zur Entdeckung frühneolithischer Funde der ältesten Linearbandkeramik und damit zur Auffindung der ältesten menschlichen Ansiedlung im Main-Kinzig-Kreis. Gemeinsam mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main wurden große Teile dieser Siedlung ausgegraben.

1989-91

Hammersbach-Marköbel

In den "Hirzbacher Höfen" wurden bei Sanierungsarbeiten wichtige archäologische Befunde zur frühen Kirchengeschichte beeinträchtigt und vom Geschichtsverein vorsorglich ausgegraben.

1988

Hanau-Kesselstadt

Die vor und nach dem Ersten Weltkrieg ausgegrabene und inzwischen weitgehend zerfallene römische Badeanlage im Kesselstädter Friedhof auf dem Salisberg wurde mit finanzieller und personeller Unterstützung durch die Stadt Hanau erneut freigelegt, vermessen und hoffentlich dauerhafter konserviert als achtzig Jahre zuvor. Sie ist zu den Öffnungszeiten des Kesselstädter Friedhofs zu besichtigen.

1988

Erlensee-Rückingen

An der ehemaligen Wasserburg wurden vor den geplanten (und immer noch nicht ausgeführten) Arbeiten zur Erweiterung des Museums Ausgrabungen durchgeführt, die wichtige Erkenntnisse zur Geschichte von Ort und Burg Rückingen brachten.

1986-88

Hanau-Klein-Auheim

1986-88

Durch die Anlage des Neubaugebietes "Am Reitweg" mussten in einer neolithischen Siedlung der jüngeren bandkeramischen Kultur umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt werden, die von der Stadt Hanau finanziell unterstützt wurden.

1986/87

Ebenfalls im Neubaugebiet Reitweg wurden Gräber der bronzezeitlichen Urnenfelderkultur entdeckt und ausgegraben.

1987

Bei Bauarbeiten wurde am Holunderweg ein römischer Keller entdeckt und teilweise archäologisch ausgegraben, wobei die zugehörigen Befunde der oberirdischen Substruktionen dieses wohl nur kleinen Bauernhofs leider nicht mehr untersucht werden konnten.

1987

Bei Feldbestellungen wurden zwischen dem Ort und der B 43a wichtige Siedlungsfunde der frühen keltischen Zeit ausgepflügt und eine kleinere Fläche archäologisch untersucht.

1986/87

Maintal-Wachenbuchen

Vor Beginn von Heizungsarbeiten wurden an und in der mittelalterlichen Kirche von Wachenbuchen Ausgrabungen durchgeführt.

1986

Niederdorfelden

Bei ihren "Sonderermittlungen" stieß die Hanauer Kriminalpolizei auf ein Grab, das sie zunächst als einen Hinweis auf ein mögliches Tötungsdelikt wertete und den dafür verantwortlichen Straftäter suchte. Die anschließende "Spurensuche" der Archäologen des Geschichtsvereins ergab, dass diese Straftat, wenn es denn eine war, mindestens zweieinhalb Jahrtausende zurücklag: Es fanden sich nämlich noch wesentlich mehr Gräber aus der frühen keltischen Latènezeit.

1986

Hanau-Kesselstadt

Vor Beginn von Bauarbeiten konnte ein weiteres Grundstück in der Gutzkowstraße untersucht werden. Spätestens mit dieser Grabung war klar geworden, dass auf dem einstigen "Salisberg" vor beinahe zwei Jahrtausenden nicht wie bisher immer wieder behauptet ein kleiner römischer Bauernhof, sondern eine wesentlich größere Ansiedlung (ein sog. Vicus) gestanden hat. Letztlich verdeutlichte diese Erkenntnis die Notwendigkeit zur Durchführung der umfangreichen Grabungen von 1992-1997.

1986

Schlüchtern

Erneut mussten im Kloster Schlüchtern Ausgrabungen durchgeführt werden. Diesmal sollte in der Andreaskapelle eine Fußbodenheizung verlegt werden, welche an dieser Stelle die gesamten archäologischen Spuren von über einem Jahrtausend Klostergeschichte zerstört hätte. Vor Beginn der Bauarbeiten wurde deshalb die Kapelle vollständig ausgegraben.

1985/86

Erlensee-Rückingen

Vor der Anlage eines Spielplatzes wurden die Reste der einstigen, 1912 abgebrochenen, hochmittelalterlichen Kirche und der darin befindlichen Gräber ausgegraben.

1985

Hanau-Kesselstadt

Im Verlauf von baulichen Veränderungen an der Philippsruher Allee mussten an der Friedenskirche Notgrabungen durchgeführt werden. Leider wurden gleichzeitig beim Parkplatzbau wichtige Siedlungsfunde zur frühen Ortsgeschichte zerstört.

1984/85

Nidderau-Heldenbergen

Bei Bauarbeiten wurden bronzezeitliche Siedlungsfunde und Abfälle eines Töpfereibetriebes entdeckt und ausgegraben.

1984

Großkrotzenburg

In der Sackgasse wurden vor Beginn der Ausschachtung zu einem Neubau Siedlungsfunde aus römischer und mittelalterlicher Zeit ausgegraben.

1984

Erlensee-Langendiebach

Bei Bauarbeiten wurden im Chor der mittelalterlichen Kirche Vorgängerbauten älterer Kirchengebäude entdeckt und archäologisch untersucht.

1984

Hanau-Wolfgang

Von einem Raubgräber wurde einer der römischen Limeswachttürme freigelegt und die von diesem kriminellen Straftäter weitgehend zerstörten Reste später durch die archäologische Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich untersucht.

1983/84

Schlüchtern

In der mittelalterlichrn Klosteranlage von Schlüchtern wurden bei Bauarbeiten im Ostturm Kücheninventare aus der Zeit des Bauernkrieges und ältere Grabfunde, die bis ins frühe Mittelalter zurückreichen, ausgegraben. Der im 19. Jahrhundert bereits weitgehend zerstörte Hochchor wurde durch Bauarbeiter entkernt. Südlich des Hochchores wurde die halbrunde Apsis einer nicht mehr erhaltenen Kapelle und weitere Grabfunde entdeckt.

1983

Hammersbach-Marköbel

Bei der Anlage eines neuen Friedhofes mitten im einstigen römischen Kastellgelände wurden "überraschend" römische Funde entdeckt und in einer gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen durchgeführten Aktion ausgegraben.

1982/83

Großkrotzenburg

Vor Beginn einer privaten Neubaumaßnahme konnten in der Friedrichstraße ein ungewöhnlich großer römischer Ziegelofen und andere wichtige Einzelheiten zur Siedlungsgeschichte des Ortes und der römischen Provinz Obergermanien ausgegraben werden.

1982

Langenselbold

Im Schlosspark wurden bei Verlegung einer Fernheizungsleitung wichtige Baubefunde des ehemaligen Klosters zerstört. Durch eine kleine Notbergung konnten interessante Aufschlüsse zur Klostergeschichte gewonnen werden.

1981/82

Erlensee-Rückingen

Bei Bauarbeiten in einem neuen Industriegebiet nördlich der B40 konnten kleinere Grabungen in einem Teilbereich des dortigen römischen Vicus durchgeführt werden.

1980/81

Bruchköbel

Bei den vorbereitenden Arbeiten für den Bau der neuen Autobahn A66 wurden drei große, zuvor nicht beachtete Grabhügel erkennbar und auf Intervention des Geschichtsvereins archäologisch untersucht. In einer benachbarten Sanddüne befanden sich weitere bronzezeitliche Gräber und vor allem Siedlungsfunde der späten Altsteinzeit (Spätpaläolithikum).

1981

Hanau-Mittelbuchen

Durch Kanalverlegung wurden östlich des Ortes Teile eines römischen Bauernhofes (villa rustica) zerstört. Nur eine kleine Fläche konnte etwas eingehender untersucht werden.

1980

Hanauer Innenstadt

Beim Neubau der Bank für Gemeinwirtschaft an der Marktstraße / Ecke Freiheitsplatz wurden wichtige archäologische Befunde zur Stadtgeschichte und der einst hier befindlichen Hanauer Münzprägestätte zerstört, von denen ohne finanzielle Unterstützung und mangels verfügbarer Zeit lediglich an Wochenenden einige Funde geborgen werden konnten.

1979

Hanau-Kesselstadt

Im Bereich eines römischen Vicus (einer kleinstädtischen Siedlung) konnte beim Bau der Gutzkowstraße sowie der ersten Häuser in dieser Straße ein größeres Grundstück archäologisch untersucht werden.

1973-78

Nidderau-Heldenbergen

Die "archäologische und volkskundliche Arbeitsgemeinschaft südliche Wetterau" untersuchte als Vorläufer unserer heutigen AG des Hanauer Geschichtsvereins gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen römische Siedlungsreste eines kleinen Kastelldorfes (vicus) und prähistorische Siedlungsfunde.

1951, 1963-65

Hammersbach-Marköbel

Beim Bau von Heizungsanlagen wurde das römische Kastellbad unter und neben der heutigen Kirche entdeckt und in mehreren Etappen ausgegraben.

1951, 1963-65

Erlensee-Langendiebach

Das Gräberfeld des römischen Kastells Rückingen, das in der Hainstraße bereits auf Langendiebacher Gemarkung lag, wurde beim Spargelanbau entdeckt und ausgegraben.

1946

Bruchköbel

Unmittelbar nach dem Krieg wurde in Hanau viel Baumaterial gebraucht. Beim Abgraben von Sand stieß man im Bruchköbeler Wald auf ein bronzezeitliches Grab der Urnenfelderkultur, das von Hugo Birkner ausgegraben wurde. Fotografien wurden in dieser Zeit im Allgemeinen noch nicht angefertigt oder sind zumindest nicht bekannt.

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