Vereinsbibliothek

Im Zuge des Schriftenaustausches und ähnlicher Kontakte mit in- und ausländischen Vereinen oder Instituten verschiedener Art hat sich in den 50 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg eine Bücherei mit dem Umfang von etwa 2.700 Bänden gebildet, die zum größten Teil aus lückenlosen Folgen, aber auch aus Teilfolgen oder Einzelexemplaren von insgesamt rund 400 Periodica und Publikationsreihen besteht.

Die Bestände des Hanauer Geschichtsvereins sind online abrufbar, hier, im Katalog der Stadtbibliothek Hanau.

Landeskundliche Abteilung

Besonders wertvolle eigene wie gesammelte Veröffentlichungen, insbesondere sehr alte Bestände über die hanauische und hessische Geschichte, werden durch die landeskundliche Abteilung Hanau-Hessen der Hanauer Stadtbibliothek bewahrt und stehen dort der Öffentlichkeit zur Verfügung. Heute sind die Ziegler'sche und zwölf weitere Chroniken, etwa 100 Aktenbände und -mappen zu den Bereichen Rechnungswesen der Stadt Hanau und umliegender Ortschaften sowie herrschaftlicher Kanzleien - Gerichtswesen - Zünfte und Bürgergarde (aus dem Zeitraum 16. bis 19. Jahrhundert), dazu 25 Akten des 6. Ulanenregiments (1812-1914) verfügbar.

Exponathek

Die Exponathek der Städtischen Museen im Museum Schloss Philippsruhe ist Forschenden und Mitgliedern des Vereins gleichermaßen für Forschungszwecke zugänglich. Sie enthält den Bibliotheksbestand der AG Archäologische Denkmalpflege, die als Präsenzbibliothek zahlreiche Periodica und Monographien enthält.

Kulturforum: Schriftentausch mit Partnerinstitutionen

Der Schriftentausch mit zirka 150 Geschichtsvereinen, Universitäten, Städten, Museen, Denkmalschutzbehörden und anderen Partnern aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch Frankreich, Schweiz, Luxemburg und den USA. Der Verein sendet an diese Institutionen seine Veröffentlichungen (Hanauer Geschichtsblätter, Neues Magazin für Hanauische Geschichte und Sondereditionen) und erhält als Gegenleistung die Publikationen des Partners. 

So ist über die Jahre eine sehr umfangreiche und einzigartige Bibliothek entstanden, die wissenschaftliche Werke der Kultur-, Kunst- und Alltagsgeschichte von der Vor- und Früh-, bis zur Zeitgeschichte, aber auch "graue Literatur" (Broschüren, Berichte, Kataloge, Vereinsmitteilungen außerhalb des Buchhandels) überwiegend nach 1945 umfasst. Derzeit sind dies rd. 5.000 Medien, mit dem Bestand Archäologie im Schloss Philippsruhe knapp 20.000 Fachbücher, die in den großen Universitäts- oder Landesbibliotheken meist fehlen - eine wahre Fundgrube an Material für Schüler, Lehrer, Studenten, Wissenschaftler, Heimatforscher, Geschichtsvereinsmitglieder oder Journalisten, die sich geschichtlichen Themen widmen wollen.

Beim Schriftentausch handelt es sich um eine Präsenzbibliothek, d. h. Bücher sind grundsätzlich nicht ausleihbar. Publikationen werden nach Bestellung via E-Mail im Lesesaal der Bibliothek bereitgestellt. Einzelabsprachen auf Ausleihe sind aber möglich. Mitglieder des Geschichtsvereins geben nach Terminvereinbarung gerne Hilfestellung bei wissenschaftlichen Arbeiten.

Kulturforum: Eigene und Fachpublikationen

Neben den Beständen aus Vereinseigentum, die direkt im Besitz der der landeskundlichen Abteilung verwaltet werden, unterhält der Verein auch im Kulturforum noch eine eigene Bibliothek, bestehend aus Beständen aus dem Schriftentausch sowie einschlägigen Fachpublikationen.

Die Bestände des HGV sind integraler Bestandteil des Portals Stadtgeschichte der neuen Bibliothek. 

Zusammen mit den Partnern Stadtarchiv, Medienzentrum, landeskundliche Abteilung Hanau-Hessen und Wetterauische Gesellschaft wird sich der Hanauer Geschichtsverein am Programm "Kultur im Forum Hanau" mit Vorträgen, Symposien, kleineren Ausstellungen und Projekttagen weiter beteiligen.

Die in den Beständen der Vereins dokumentierte reichhaltige Stadtgeschichte von Stadt und Region kann somit kommunikativ erlebbarer gemacht werden. Auch im Sinne eines lebenslangen Lernens versteht sich der HGV als Dienstleister in der Wissensgesellschaft. Ein Wissen über die abwechslungsreiche Stadt- und Regionalgeschichte Hanaus ist gelebte Demokratie vor Ort.

Das Bibliotheks- und Archivwesen des Hanauer Geschichtsvereins

von Felix Lauer

Die in drei Sammlungen - Bibliothek, Tausch-Literatur und Archiv - geteilten Bestände an Geschriebenem und Gedrucktem entwickelten sich von den ersten Jahren der Vereinsgeschichte an. Ununterbrochen gingen der Bibliothek und dem Archiv Schenkungen von Mitgliedern und Außenstehenden zu. Darunter fanden sich unterschiedlich wichtig und wertvoll erscheinende Drucksachen und Handschriften, die alle als Zeitzeugnisse, Dokumente oder Denkmäler archiviert bzw. in die Bibliothek aufgenommen wurden. Auf diesem Wege kamen zahlreiche hochwichtige und wertvolle Stücke hinzu, die teilweise zufällig gefunden oder zum Kauf angeboten worden waren. Andere erhielt der Verein als Vermächtnisse und nicht selten im Zusammenhang mehr oder weniger umfangreicher Sammlungen. Hinzu kamen gezielte Erwerbungen, vor allem Neuerscheinungen wissenschaftlicher oder historischer Werke auf dem antiquarischen Buchmarkt.

So hatte sich im Verlauf des ersten Jahrhunderts der Vereinsgeschichte ein sehr umfangreicher und wertvoller Bestand in der Bibliothek, aber auch im Archiv angesammelt. Daneben bestand die nur durch den Schriftenaustausch gewachsene Bücherei. Dieser Reichtum wurde unmittelbar nach der Vollendung des hundertsten Vereinsjahres zum größten Teil durch Kriegseinwirkung zerstört. Die Schriftentauschbestände gingen vollständig verloren. Der Katalog der alten Bestände verbrannte ebenfalls. Obwohl in den Sitzungsprotokollen der ersten Nachkriegsjahre mehrfach vermerkt ist, man habe neben der schweren Arbeit der Neuerfassung aller Sammlungsbestände die Katalogisierung der Restbestände der Bibliothek und des Archivs fortgesetzt, erzielte man eine vollständige Erfassung nicht.

Trotzdem ging das Sammeln weiter, die Zuwendungen fanden weiterhin statt, die Neuerwerbungen geschahen, soweit es die Mittel erlaubten. Dabei war man im Rahmen der beschränkten Möglichkeiten bemüht, Verluste an alter und bibliophiler Literatur durch Ankauf antiquarischer Angebote nach und nach auszugleichen. Auf diese Weise ist wieder ein beachtlicher Bestand an Büchern aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert entstanden, in dem "Hanauer Drucke" einen breiten Raum einnehmen.

Bevor die Erfassung zu einem Ende gebracht werden konnte, ergab sich die durch Dr. Karl Dielmann am Ende der fünfziger Jahre eingeleitete Neuregelung, welche die Vereinsbibliothek und die historische Abteilung der Stadtbibliothek (Hanau-Hessen) sowie Vereins- und Stadtarchiv vereinigte.

Eine Gesamterfassung dieser Bücherei und der in die städtischen Einrichtungen integrierten Vereinsbestände gestaltet sich bei der dafür erforderlichen Arbeit schwierig. Die Bestände des Archivs wurden während des Krieges zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlicher Form verpackt. Unter den ersten in der Bezirkssparkasse Lauterbach sichergestellten Teilen befanden sich die gesamte Ziegler'sche Chronik und die anderen wertvollen Chroniken sowie Bernhards Dienerbuch zusammen mit den wichtigsten Teilen der Grimm-Bücherei. Weitere Teile des Archivs wurden im Bismarckturm (Wilhelmsbad) untergebracht, wo durch mehrfachen Einbruch Verluste entstanden. Die umfangreichen übrigen Bestände verbrannten am 6. Januar 1945 im Stadtschloss mit einem großen Teil der Bibliothek. Auch die Fortsetzungswerke der Ziegler´schen Chronik, vor allem die umfangreiche Chronik des Ausschussmitgliedes Heinrich Stübing über den Zeitraum 1916 bis 1939 wurden ein Raub der Flammen.

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